November 2016 | PLYMOUTH, WI, USA


Meine ersten 3 Monate in Amerika - Cedrik Schamberger im November 2016

Es fühlt sich für mich wirklich seltsam an das so zu schreiben, denn es ist für mich kaum zu fassen, dass schon 3 Monate vergangen sind, seit dem Tag an dem ich in Frankfurt ins Flugzeug stieg. Seither sind eine Menge Dinge passiert über die ich nun berichten  werde.

 

Doch fangen wir erstmal mit meiner Gaststadt an. Unweit des schönen Lake Michigan, den man leicht mit einem Meer verwechseln könnte, liegt die fast schon klischeehaft-amerikanische Kleinstadt Plymouth.

 

Wer sich nun die vorherigen Berichte der Lörracher PPP-Schüler durchgelesen hat, wird sich nun eventuell wundern, denn genau diese Stadt im Bundesstaat Wisconsin, war bereits einmal Gaststadt für unseren Wahlkreis. Leon Gehri war im Jahr 2015 mit dem PPP in Plymouth. Generell sind ausländische Gastschüler hier alles andere als eine Seltenheit. Dieses Jahr habe ich das Glück mit elf anderen Schülern aus aller Welt auf die Plymouth High School zu gehen. Insgesamt wird sie von ca. 800 Schülern, aus den Klassen 9 (Freshman), 10 (Sophomores), 11 (Juniors) und 12 (Seniors) besucht. Und obwohl ich dieses Jahr eigentlich in der elften Klasse wäre, bin ich hier ganz offiziell ein Senior.

 

Neben dem Unterricht hat meine Gastschule auch ein vielfältiges Programm an Sportarten zu bieten, die mit samt Ausrüstung komplett umsonst sind. Es gibt hier eine Schwimmhalle, Tennisplätze, eine große Sporthalle, eine Baseballfeld, ein Fußballfeld und natürlich… ein Footballfeld! Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich nicht wirklich etwas mit Football anfangen konnte bevor ich hier ankam. Doch mein Wille unbedingt etwas Neues ausprobieren zu wollen, trieb mich dazu Football zu spielen. Zu Beginn war es sehr hart für mich, da ich nichts über Regeln und Taktiken wusste. Jedoch verstand ich die ‘’Basics’’ des Spiels nach einer Weile. Leider hatte ich dann einen ‘’kleinen Zusammenstoß’’ bei dem ich mir unglücklicherweise das Handgelenk gebrochen hatte, sodass für mich die Saison  vorbei war bevor es erst so richtig losging. Aber eine gute Sache hatte dieser Zwischenfall: Mein Vokabular über Verletzungen, Krankenhäuser und Krankenpflege hat sich gefühlt verhundertfacht.

 

Neben Football habe ich auch angefangen im Schulorchester zu spielen, was wirklich unheimlich viel Spaß macht und ein Unterrichtsfach mit Noten ist. Außerdem bin ich in der mit dem Orchester verbundenen ‘’Marching Band’’ (wofür ich drei Songs komplett auswendig lernen musste) und der einzigen deutschen Volksmusik- High School Band in den USA, den ‘’Jungen Kameraden’’. In jeder der drei Musikgruppen muss ich dabei ein anderes Instrument spielen, das Waldhorn für das Schulorchester, das Mellophon zum marschieren und das Althorn  bei den Jungen Kameraden.

 

Im allgemeinen ist der Schulalltag hier ziemlich vollgepackt. Von morgens um 7:25 bis 14:40 ist man im Unterricht und hat danach noch zwei bis drei Stunden Sport Training. Zuhause sind dann Hausaufgaben angesagt, die auch gerne mal 3 Stunden Zeit in Anspruch nehmen. Dennoch ist es jeden Tag ein Spaß in die Schule zu gehen, um nicht nur Freunde zu treffen, sondern auch den hochtechnologisierten Unterricht zu genießen. Denn jeder Schüler bekommt von der Schule ein Netbook, welches in fast jedem Unterrichtsfach benutzt wird und sogar bei Klassenarbeiten verwendet werden kann. Auch ‘’Smartboards’’, also Tafeln mit Touchscreen, gibt es in jedem Raum. Ich habe relativ schwere Mathe-, Chemie- und Geschichtsklassen, die alle auf College-Niveau sind, aber auch etwas einfachere Klassen, wie Orchester, Drama (Theater Kunde), Spanisch und Global Studies (Probleme in der Welt). Alles in allem ein sehr guter Mix.

 

Doch zurück zu Plymouth, das übrigens zwei Stunden von Chicago und eine Stunde von Milwaukee entfernt ist. Neben der High School finden sich hier geschätzte 15 Fast Food Restaurants, was in Deutschland nie vorstellbar wäre. Ich muss jedoch gestehen, dass McDonald’s hier doch etwas besser schmeckt. Außerdem gibt es einen Walmart, welcher so ziemlich alles Denkbare, von Lebensmitteln über Kleidung über Technik über Sportartikel bis zu Waffen verkauft. Die Altstadt ist ziemlich schön und bestätigt die Vorstellung der typisch amerikanischen Kleinstadt.

 

Neben Schule hatte ich schon die Möglichkeit ein NBA-Basketball Spiel der Milwaukee Bucks zu besuchen, was wirklich ein tolles Erlebnis war. Leider haben sie im Spiel gegen die Charlotte Hornets mit 96-107 verloren. Außerdem durfte ich, ihm Rahmen meiner sozialen Aktivität, einen Tag mit Amish-Peoplen verbringen, die ohne Elektrizität, Auto und alles Moderne leben. Ich und einige Yes-Stipendiaten (Stipendium für Schüler aus arabischen Ländern) halfen bei der Gartenarbeit und lernten über ihre Kultur. Interessant war auch ihre Sprache, das sogenannte ,,Pennsylvaniadeutsch’’, das sich fast schon wie das heimische alemannisch anhört.

 

Mein absoluter Lieblingsausflug war jedoch der Tag in Six Flags Great America, einem riesigen Freizeitpark nahe Chicago, den ich mit Freunden besuchte und unter anderem  die höchste und steilste Holzachterbahn der Welt gefahren bin. Aber auch Homecoming, wo es eine Parade durch die Stadt und natürlich einen Schulball gibt waren wirklich großartig. Bei dem Ball ist es üblich, dass ein Junge ein Mädchen fragt, ob es mit ihm dorthin gehen möchte. Ich hatte wirklich super viel Spaß mit meinem ,,Date’’.

 

Zu Beginn meines Jahres, fanden gerade die Olympischen Spiele in Rio statt, deren Stellenwert in Deutschland absolut nicht mit dem in Amerika zu vergleichen ist. Die Leute hier sind besessen von den Sportarten und dem Kampf um die Medaillen. Sicherlich liegt das auch daran, dass die USA mit Abstand die beste Nation sind, wenn es um Olympische (Sommer)spiele geht.

 

Dieses Thema wurde jedoch unfassbar schnell von dem der Präsidentschaftswahl eingeholt. Es ist kaum zu  beschreiben wie sehr man hier von allen Seiten mit Meinungen vollgeschüttet wird. Auch ist es schwer zu glauben, dass gute Freunde, und zu meinem erschrecken, auch wirklich intelligente Menschen Donald Trump unterstützen. Obwohl AFS (meine Austauschorganisation) uns bereits vor der Abreise eingetrichtert hatte, sich politisch nicht zu äußern, ist es manchmal unfassbar schwer sich auf die Zunge zu beißen und nicht zu argumentieren. Jedoch zeigt meine Erfahrung mittlerweile, dass es auch gar keinen Sinn macht. Denn der Hass gegenüber Hillary Clinton ist viel größer als aller Zweifel gegenüber Trump. Stand heute ist es noch 2 Tag bis zur Wahl und alles platzt förmlich vor Spannung. Fest steht nur, dass das Ergebnis die Welt verändern kann.

  

Nichts desto trotz bin ich unglaublich dankbar, diese spannende Zeit vor Ort mitverfolgen zu können.

 

Mit freundlichen Grüßen aus den Staaten

Cedrik Schamberger