Februar 2019 | VIENNA, Virginia, USA


David Lambelet: sechs Tage in Washington DC

Sehr geehrter Herr Schuster,

 

Vor zwei Wochen verbrachte ich sechs Tage in Washington DC mit den anderen Stipendiaten aus Deutschland. Ich würde Ihnen gerne in den nächsten Zeilen davon berichten.

 

Am Sonntagnachmittag kam ich im Marriott Hotel nahe des Reagan National Airports an, woraufhin ich in mein Zimmer ging, in welchem mich schon mein erster Zimmerpartner erwartete. Etwas später sind noch zwei andere Jungs in unserem Zimmer einquartiert worden. Nach dem Abendessen, welches im Hotel stattfand, traf ich auch meine besten Freunde für diese Woche namens Lukas und Alexander. Lukas ist aus Hamburg und wohnt in Houston, Texas. Auch Alex wohnt in Texas und kommt ursprünglich aus Dortmund. Mit der Zeit fanden wir heraus, dass deren Zimmer eine Verbindungstür mit meinem Zimmer hatte, was uns wörtlich in den nächsten Nächten den Schlaf raubte. Wie schon gesagt, wir genossen unsere Abende zusammen bis spät in die Nacht und wurden schließlich auch wieder früh am Morgen aus den Federn geklingelt.

 

Sonntag war nur der Ankunftstag. Somit fing unsere Reise am Montag richtig an. Nach einem Frühstücke im Hotel machten wir uns mit zwei für die Woche geliehenen Bussen auf den Weg zum “Newseum”, wo ein einstündiges Seminar über Fakenews stattfand. Später durften wir noch selber unsere Runden durch das Gebäude drehen. Abermals nahmen wir den Bus Richtung Capitol Hill, um dort in vier Gruppen einen Einblick in das amerikanische Kongresssystem zu bekommen. Dies war dafür gedacht, dass wir uns am Mittwoch bei den Gesprächen mit Senatoren und den Abgeordneten des Repräsentantenhauses auch auskennen würden. Daraufhin besuchten wir noch das Roosevelt Memorial und gegen Abend wurden wir zur Alto Fumo Pizzeria in Arlington, VA, gebracht. Zurück im Hotel begannen wir in anderen Gruppen Präsentationen vorzubereiten. Meine Gruppe entschied sich für das Thema Rassismus. Nach dem offiziell geplanten Tag fanden erneut unsere nächtlichen Gespräche statt, bei denen uns nie langweilig wurde.

 

Dienstag war mehr oder weniger ein Memorial-Besichtigungstag. Doch bevor wir in den Bus stiegen, wurde eine Simulationsaktivität für uns vorbereitet. Das Thema lautete “Internationale Flüchtlingskrise”. Wir mussten uns in verschiedenste Rollen hineinversetzen. Meine Rolle war beispielsweise ein Abgeordneter eines Landes, welches mit zu viel Immigration zu kämpfen hat. Beteiligt war ebenso das Land, aus welchem die Flüchtlinge flohen, sowie die USA, ein Nachbarstaat und zwei weitere Organisationen. Danach hatten wir in einem großen Auditorium ein Gespräch mit zwei Herren der Deutschen Botschaft, die uns zuerst über ihren Beruf informierten und später unsere vielfältigen Fragen beantworteten. Nach unseren sehr interessanten Gesprächen und Debatten machten wir uns im Regencape auf den Weg zum Weißen Haus, wo ich ein ziemlich nettes Gespräch mit einem Mann vom Secret Service hatte. Anschließend besuchten wir das National Building Museum. Im Dunkeln besichtigten wir das Lincoln Memorial, das Thomas Jefferson Memorial und das Martin Luther King Memorial. Es war leider zu spät, um noch zum Air Force Memorial zu fahren. Abends aßen wir in einem Shopping Center. Spätabends hatten wir einen weiteren Workshop in unseren bisherigen Gruppen.

 

Mittwoch war der ereignisreichste Tag der Woche. Wir machten uns gegen 7:00 Uhr morgens auf den Weg zum Capitol Hill, wo wir uns für die nächsten neun Stunden aufhielten. Jeder von uns sollte drei Gespräche mit den Mitgliedern des Kongresses führen. Mein erstes Gespräch hatte ich mit dem Senator Mark Warner von Virginia, welches um 10:30 Uhr im Hart Building stattfand. Es war sehr interessant, und ich stellte eine Menge an Fragen. Man hat ja schließlich nicht jeden Tag die Möglichkeit, ein solch wichtiges Gespräch zu führen. Leider musste ich mich bei der Unterhaltung kurzfassen, da mein nächstes Gespräch mit dem zweiten Senator von Virginia schon um 11:00 Uhr auf mich wartete. Auch über ihn und seine Arbeit erfuhr ich einiges. Nach diesem Gespräch ging ich zur Toilette nebenan, wo ich meinen Umschlag mit den wichtigen Dokumenten in den Müll warf, da ich meinte, dass ich diese für den Tag nicht mehr brauchte.

 

Dann war es auch schon Mittag und da ich sehr hungrig war, traf ich mich mit meinen Freunden im Dirksen Building in der Cafeteria, um mich dort für den restlichen Tag zu stärken. Auf einmal fiel mir auf, dass sich mein kleiner Umschlag mit dem Geld, welches für das Mittagessen gedacht war, noch in dem größeren Umschlag befand, der im Müll lag. Sofort eilte ich zurück, um auf der Toilette in der Mülltonne nach meinem Geld zu suchen. Kurz bevor ich den Umschlag fand, öffnete sich die Tür und einer der 100 Senatoren kam in den Waschraum. Es war Tim Scott, der Senator von South Carolina, der mich beim Müllgraben erwischt hatte. Zum Glücke lachten wir zusammen, nachdem ich ihm die Situation erläuterte. Das war wohl ein lustiges und peinliches Erlebnis zugleich, was mir so leicht niemand nachmacht und uns beiden noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Schließlich besuchte ich die Library of Congress. Um hineinzugelangen, erstellte ich mir eine Büchereikarte und konnte somit den großen, eindrucksvollen Raum der Bücherei besichtigen. Etwas später sah ich auch den Supreme Court. Zu guter Letzt schossen wir im Botanischen Garten des Capitol Hills noch ein paar Fotos in unseren Anzügen.

 

Unsere letzte wichtige Station des Tages war das NBA-Spiel der Washington Wizards gegen die Indiana Pacers, welches wir aus einer Suite mitverfolgen durften.

 

Am Donnerstagmorgen mussten wir erst einmal unsere am Dienstag vorbereiteten Präsentationen vorstellen. Da es an diesem Tag leider zu kalt war, entschieden sich unsere Betreuer, nicht zum Mount Vernon zu fahren und dafür zwei weitere Museen zu besuchen. Meine Freunde und ich gingen ins Air and Space Museum, wo wir eine 25- minütige Show in 3-D im IMAX- Theater ansahen und viele interessante Räume besichtigten. Schließlich entschieden sich meine Freunde und ich, in das berühmte Archiv zu gehen, um beispielsweise die Declaration of Independence, die Constitution oder auch die Bill of Rights zu sehen. Nach dem Besuch der verschiedenen Museen hatten wir dann nur noch ein formelles Abendessen in Abendrobe, auf welches die Abschiedsparty mit einem eigenen DJ und einer Tanzfläche folgte. Schließlich mussten wir irgendwann ins Bett gehen, da so gut wie alle um drei oder vier Uhr morgens zum Flughafen aufbrachen.

 

Wir verbrachten unsere Zeit also noch im Zimmer, bis meine Freunde sich auf den Weg zurück nach Texas machten.

 

Nun habe ich eine überaus interessante und sehr spaßige Woche hinter mir und hoffe, meine beiden Freunde vielleicht im Frühling in Houston, Texas, wieder treffen zu können oder möglicherweise sich regelmäßig in Deutschland zu sehen.

 

Zusammengefasst gibt es keinen Moment in den fünf Tagen, der nicht wunderbar war. Ich vermisse die Gruppe jetzt schon!

 

Nochmals vielen Dank, dass Sie mir diese großartige Chance vor etwa genau einem Jahr gewährt haben. Ich habe sie in den letzten sechs Monaten mehr als gut genutzt.

Und auch die Noten in meinem Zwischenzeugnis stimmen zur Freude meiner Eltern!

 

Ihr Jugendbotschafter,

 

 

David Lambelet, aus Vienna, Virginia