Mai 2018 | BERLIN


Alicia Rabe: Mein Praktikum während der Haushaltswoche im Deutschen Bundestag

Durch die Sicherheitskontrolle hindurch und bereit, für zwei interessante und spannende Wochen im Regierungszentrum Deutschlands: Montagmorgen ging es postwendend zu einem Interview mit Armin Schuster und der ARD in das Hauptstadtstudio. Dort wartete bereits ein Kamerateam, welches gemeinsam mit Herrn Schuster und dem Journalisten ein schnelles Interview zum Thema Cybersicherheit und Datenspeicherung durchführte. 

 

Danach ging es dann zur Ausweisstelle und ich bekam meinen persönlichen Hausausweis, mit dem ich mich frei im Haus bewegen konnte, was für mich ein Highlight war! Zum Mittagessen aß ich mit den BüromitarbeiterInnen gemeinsam in einem der drei hauseigenen Restaurants und lernte die KollegInnen ein bisschen besser kennen. Daraufhin nahm mich der studentische Mitarbeiter des Büros auf eine umfangreiche Haustour mit und ich konnte das Gebäude intensiv erleben. Von russischen Inschriften bis zum kuriosen „Tankstellenplan“ des Architekten Foster oder auch das Abspielen der vergangenen Bundestagsreden auf einer digitalen Anzeige in Form einer vertikalen Säule durch den Raum. Später konnte ich auch noch ein Foto mit Frau Kanzlerin Angela Merkel im Hintergrund vor den Fraktionsräumen machen und hatte somit das volle Paket für den ersten Tag. 

 

In den nächsten Tagen, nachdem ich immer wieder die Gesichter verschiedener bekannter Politiker(innen) wahrgenommen hatte, wurde mir erst bewusst, dass hier tatsächlich der Ort der „großen“ Entscheidungen ist - besonders in dieser Haushaltswoche, da entschieden wurde, wer wie viel Geld bekommt. Besonders durch die Digitalisierung ist in den letzten Jahren eine große Plattform für Wirtschaft und Politik, aber auch eine wachsende Kriminalität entstanden. Letzterer müsse jedoch mehr Beachtung und Kontrolle geschenkt sowie explizite Maßnahmen gegen Straftäter entwickelt werden. Deshalb war es z.B. wichtig, hinsichtlich der  digitalen Gefahrenmöglichkeiten von Wahlmanipulation auch finanzielle Mittel bereitzustellen. In den kommenden Tagen war ich in einer Sitzung des Innenausschusses für Sicherheit, in welcher der EU Kommissar Julian King viele  gemeinsame europäische Ziele nannte, insbesondere aber auch hier die Cybersicherheit thematisierte. „Die Kooperation und Kommunikation der europäischen Staaten ist der Schlüssel zu einem starken Europa“. Außerdem wurde eine Vorbesprechung für die Innenausschusssitzung zum Fall Anis Amri angesetzt, in welcher der Ablauf der kommenden Sitzung noch im Detail besprochen wurde. 

 

Auch im Plenarsaal war ich dabei, als sich die verschiedenen und breit gefächerten Fraktionen anwetterten und sich eine aufregende Debatte bot. Meine Arbeit im Büro zeichnete sich meist darin aus, dass ich morgens erst die Post bearbeitete, anschließend jedoch Recherchen zu verschiedenen Themen machte oder auch Informationsmaterial zu Anfragen von verschiedenen Fraktionen zusammentrug und schließlich Zusammenfassungen dazu anfertigte.

 

Ein weiteres Highlight war der recht kurzfristig geplante Besuch des Kanzleramts, bei dem wir den Kabinettsitzungssaal und die Bundeskanzlergalerie besichtigten. Das Gebäude war architektonisch interessant zu betrachten und die ausgestellte Kunst wirklich ein Hingucker. Die Vorstellung, dass sich dort Politikergrößen, wie der ehemalige US-Präsident Barack Obama oder auch der russische Präsident Wladimir Putin, mit unserer Kanzlerin treffen und die Fäden ziehen, ist doch sehr beachtlich.

Im weiteren Verlauf des Praktikums hatte ich außerdem die Möglichkeit, außerhalb des Bundestags zwei Live Aufnahmen im ZFD Hauptstadt Studio als Besucher hautnah zu erleben, wobei es bei Maybrit Illners Podiumsdiskussion hauptsächlich um die Spannungen zwischen Israel und Palästina ging. An diesem Abend traf ich auch Klaus Kleber, was für mich ein persönliches Highlight war. Das frühe Morgenmagazin war im Vergleich dazu ein sehr großer Unterschied, mit einer live Band, Croissants und Interviews zu Schutzmaßnahmen vor Zeckenbissen startete man bereits bunt in den Tag. 

 

Abschließend kann ich sagen, dass mein vielseitiges Praktikum mir einerseits zeigte, wie nah die Presse mit der Politik koaliert, als auch, wie zeitaufwendig die Arbeit als Bundestagsabgeordnete(r) ist und sich als sehr viel komplexer erweist, als ich anfangs dachte. Besonders wurde mir wieder bewusst, dass das Leben hier in Deutschland in einer Demokratie angesichts unserer Geschichte keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein Geschenk, welches man insbesondere in der jetzigen Zeit mit vielen aktuellen Problemen und einer Regierung mit verschiedenen Richtungen mit Nachdruck bewahren muss! 

 

Die zwei Wochen gingen jedenfalls viel schneller zu Ende als gedacht, doch die Erinnerungen bleiben! Vor allen Dingen möchte ich mich recht herzlich bei Herrn Schuster für die Möglichkeit eines Praktikums bedanken, als auch für die stets sehr freundliche Betreuung durch seine Mitarbeiter in Berlin und auch im Wahlkreis.