Januar 2016 | BERLIN


Luca Wild: „Einigkeit und Recht und Freiheit...“

...ist die erste Zeile unserer Nationalhymne. Doch dass sich unsere Politiker nicht immer einig sind, konnte ich schon ziemlich schnell feststellen.

 

Es ist Montag der 24. Januar 2016. Um 10 Uhr sollte ich mich zur Sicherheitskontrolle vor dem Paul-Löbe-Haus einfinden. Ich muss ehrlich sagen ich war schon etwas aufreget, denn ich hatte ja keinen blassen Schimmer was mich in der kommenden Woche alles erwarten wird.

 

Vor dem Eingang des Paul-Löbe Haus angekommen, musste ich erst einmal durch die Sicherheitskontrolle, wie man sie von einem Flughafen so kennt. Nach dem Sicherheitscheck wurde ich von Herrn Schmidt, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter des „Teams“ am Eingang empfangen. Er führte mich zu meinem zukünftigen Arbeitsplatz, dem Bundestagsbüro von Herrn Schuster, zumindest für die anstehende Woche. Dort angekommen wurde ich bereits erwartet. Kurz darauf sollte ich meinen Gastausweis gegen einen Hausausweis eintauschen. Dafür musste ich erstmal in die Ausweisstelle in der Wilhelmstraße. Dort angekommen durfte ich meinen ausgefüllten Antrag abgeben und es wurde ein Foto von mir aufgenommen. Kurze Zeit später hielt ich ihn dann endlich in meinen Händen - meinen eigenen Hausausweis.

 

Ich machte mich schließlich auf den Rückweg zum Paul-Löbe Haus. Nun ging die Sicherheitskontrolle schon um einiges schneller, denn ich war ja nun schließlich ein Mitarbeiter des Bundestages. Als ich mich wieder im Büro eingefunden hatte, ging es auch schon gleich zur Sache. Ich bekam meinen eigenen Schreibtisch mit Blick auf das Reichstagsgebäude. Es war immer wieder schön anzusehen wie die große Deutschland-Fahne im Wind vor sich hin wehte.

 

Ein ganz anderer Wind dagegen herrschte hier im Abgeordnetenbüro, denn hier wurde ich von Anfang an als Mitarbeiter eingespannt. Ich habe mich von Anfang an sehr wohl gefühlt. Zu meinen Aufgaben gehörten neben den gewöhnlichen Büroarbeiten, unter anderem die Bearbeitung von Bürgerbriefen oder eben auch Telefonate entgegen zu nehmen.

 

An den folgenden Tagen gab es immer wieder etwas Neues zu entdecken. So langsam lernte ich dann auch die Gebäude kennen, denn man muss dazu sagen, dass man in dem ganzen Tunnelsystem schnell die Orientierung und den Überblick verlieren kann.

 

Herr Schuster hat mich in diverse Sitzungen mitgenommen und ich konnte so einen Einblick in das Leben eines Abgeordneten bekommen. Schnell merkte ich, dass das Leben eines Politikers sehr stressig und alles andere als leicht ist. Telefonkonferenzen, Interviews, Plenarsitzungen... diese und noch viele weitere Aktivitäten gehören zum Alltag eines Politikers. Viel Zeit für eine Mittagspause bleibt hier nur sehr selten. 

 

Am Mittwoch durfte ich Herrn Schuster mit in die Sitzung des Innenausschusses begleiten, in welcher unter anderem über die geplanten Anschläge in München sowie über die Terrorismusbekämpfung debattiert wurde.

 

Um 12 Uhr fand dann eine Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus statt. Von meinem Schreibtisch aus, von welchem ich einen perfekten Blick auf den Reichstag hatte, sah ich, dass die großen Deutschlandflaggen auf Halbmast hingen.

 

An meinem vierten Tag im Bundestagsbüro stand als Höhepunkt eine Plenarsitzung auf dem Programm sowie eine namentliche Abstimmung zur Fortsetzung und Erweiterung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (MINUSMA).

 

Ich muss zugeben, dass es schon irgendwie komisch ist, all die Politiker live zu sehen bzw. gar mit ihnen an demselben Tisch Mittag zu essen, die man normalerweise nur aus der Zeitung oder dem Fernsehen kennt.

 

Ein Rollenspiel, für welches ich mich angemeldet hatte stand dann gegen 14.00 Uhr auf dem Programm. Und zwar wurde im Deutschen Dom der Plenarsaal nachgestellt. Wir wurden in die zurzeit regierenden Fraktionen eingeteilt.Ich gehörte natürlich der CDU an. Ziel des Rollenspieles war es, einen Einblick zu bekommen, wie denn solch eine Plenarsitzung abläuft und wie es sich anfühlt vor einer großen Menge von Leuten und über ein bestimmtes Thema zu debattieren. Da der Gesetzesentwurf von der Opposition kam, erreichte dieser von der Koalition keine Zustimmung und wurde deshalb nicht verabschiedet.

 

Allem in allem hat mir das Praktikum im Bundestagsbüro von Armin Schuster sehr viel Spaß gemacht. Es war eine sehr lehrreiche und informative Erfahrung die ich jederzeit wiederholen würde.

 

Ich könnte noch so viel mehr über mein Praktikum erzählen, doch die Zeit drängt und der Flieger zurück in den Wahlkreis nach Lörrach wartet ja schließlich nicht. Hier gelten keine Ausnahmen, auch nicht auf Politiker.